Ergänzung von Covern bei Digitalisaten / Frankensteins Monster lebt vielleicht


#1

Liebe Goobi-Community,

ich möchte mich mal erkundigen, wie andere Bibliotheken bei der Digitalisierung vorgehen.
Vorab beschreibe ich unser Problem: das Ibero-Amerikanische Institut digitalisiert seit mehreren Jahren Zeitschriften in verschiedenen Projekten, die Zeitschriften werden auch in der Projektlaufzeit stetig ergänzend erworben, da der antiquarische Buchmarkt in Lateinamerika immer wieder Lückenergänzungen oder besser erhaltene Hefte anbietet.
Bei Lückenergänzungen ist das Vorgehen klar, aber es passiert häufiger, dass bereits digitalisierte Hefte nochmals erworben werden, da diese entweder ein intaktes Cover aufweisen und/oder in einem besseren Erhaltungszustand sind.


Einige Hefte sind darüber hinaus auch noch unvollständig, durch herausgetrennte Seiten oder herausgeschnittene Bilder, Artikel etc…
Auch wenn es technisch möglich ist Images in einem (abgeschlossenen) Vorgang zu ergänzen, müsste doch eigentlich das entsprechende Heft in besserem Zustand nochmals komplett gescannt werden, statt Frankensteins Monster zu kreieren (Cover der besseren Ausgabe + alte Scans der schadhaften Ausgabe), da die Vorlage sich schließlich ändert oder sehe ich diesen Umstand zu eng?

Gibt es Kolleg*innen in der Community, die ähnlich gelagerte Probleme haben und wie sieht bei Ihnen der Lösungsweg aus?
Ich bin sehr an der Meinung von Ihnen interessiert, auch wenn Sie nur theoretisch über mein Anliegen nachdenken und einen klaren Standpunkt vertreten.

Viele Grüße und frohes Schaffen aus Berlin,
Ariane Herms


#2

@Schlueter_HAAB @julia.ernst @g_snowboard Habt Ihr nicht Lösungen, Stichwort Versionierung von Werken?


#3

Hallo

Wir setzen die Versionierung ein, um bei Handschriften, bei denen aktuelle wissenschaftliche Handschriftenbeschreibungen vorhanden sind, die neueste Version ins Zentrum zu rücken. Das machen wir deswegen, weil wir aus historischen Gründen die Beschreibung von Konrad Schiffmann ( er war derjenige der unsere Handschriften beinahe komplett beschrieben hat), erhalten möchten, auch wenn diese inhaltlich überholt sind.
Wir lassen in Suchanfragen dann immer nur die aktuelle Handschriftenbeschreibung auftauchen, die historische wird nur links neben der Bildanzeige als Link mit eigenem Label (z.B. Hs.-20 (K. Schiffmann) angezeigt , man könnte aber natürlich auch alle Versionen suchbar machen. Ebenso vergeben wir nur für die wissenschaftlich aktuelle Handschrift URNs. Bei Broschüren die immer wieder aktualisiert herausgebracht werden, wie dies z.B. Bei der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der AK Wien ist, können natürlich für alle Hefte URNs vergeben werden und alle sollten vielleicht auch suchbar sein oder auch nicht.
Goobi verfügt jetzt schon über alle Werkzeuge dies zu tun.

Mit freundlichen Grüßen
Gregor N


#4

Hallo, wir ergänzen in ganz wenigen Fällen unsere Exemplare mit Fremdseiten:
https://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/!metadata/1789660742_1885002000/1/LOG_0003/

Die Versionierung von Digitalisaten käme im Fall des IAI eigentlich nicht zum Einsatz, oder? Wir versionieren nur, wenn wir vom identischen Exemplar neue Aufnahmen machen.


#5

Wie sieht das im Falle der nachträglichen Ergänzung von Digitalisaten eigentlich mit den persistenten IDs des Werkes aus?


#6

Meinst du mit Ergänzung Bilder einfügen (die z.B. zuvor fehlten) oder inhaltliche Ergänzungen?


#7

Ich meine das einfügen/ ersetzen von Bildern. Die persistenten IDs beziehen sich in der HAAB ausdrücklich nicht auf die Metadaten, sondern nur auf die Bilder.


#8

Das Einfügen von Bildern nachträglich stellt bei uns kein Problem dar, weil es uns egal ist welche URN zu welchem Bild zugeordnet wird. Es stimmt schon, dass es im Extremfall unangenehm sein kann, weil vielleicht einige URNs zuvor schon in verschiedenen Portalen eingebunden wurden und nach dem Einfügen von Bildern ja auf andere Bilder verweisen.
Man könnte dies aber vielleicht verhindern, indem man URNs grundsätzlich mit Bildern fixiert, sodass diese beim Einfügen von Bildern nicht mehr verschoben werden, aber da weiß Jan vielleicht mehr


#9

Danke für Deine Frage @matchgirl und Danke für Eure Antworten @Schlueter_HAAB und @g_snowboard . Ich lese hier aus der initialen Anfrage und der folgenden Diskussion zwei Fragen heraus, zu denen ich gerne etwas schreiben möchte:

  1. Was ist ein sinnvolles Vorgehen bei Nachscannen oder Lückenergänzung?
  2. Wie gehe ich dabei mit Identifiern um?

Zu 1: Hier gibt es ein Anwendungsszenario in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, dass das sehr gut gelöst hat. Dort gab es ein Werk, dass vor vielen Jahren in Doppelseiten gescannt wurde. Das Werk sollte nun aber in Einzelseiten noch einmal Bereitgestellt werden. Für die Doppelseiten waren aber bereits persistente Identifier auf Bildebene vergeben. Ein einfaches zerschneiden und überschreiben des Werkes würde zwar visuell zu einem Ergebnis führen, würde aber alle Identifier auf Bildebene unbrauchbar machen.

Die Lösung war die Versionierung des Goobi viewers zu verwenden. Die Funktionalität erlaubt es bei entsprechender Konfiguration innerhalb von Goobi workflow bestimmte Werke miteinander zu verknüpfen. Dabei werden in jedem Werk zwingend der Vorgänger, der Nachfolger und die Information, ob dieses Werk sichtbar sein soll oder nicht erfasst. Optional kann darüber Hinaus ein Label für eine Version erfasst werden.

In der Suche wird immer nur die aktuellste Version des Werkes gefunden. Hat ein Werk mehrere Versionen, wird in der Seitenleiste ein Widget angezeigt, dass die Links zu früheren Versionen enthält. Ältere Versionen die in der Suche nicht mehr gefunden werden, sind weiterhin direkt über die URLs und über die vergebenen persistenten Identifier auflösbar. Hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

Die Funktionalität ist im Handbuch in Kapitel 2.17.9 beschrieben. Gerne beschreiben wir auch die Konfiguration in Goobi workflow und ergänzen das auf einer eigenen Seite unter Kapitel 6. Anwendungsszenarien.

Ich denke, das komplette neu scannen und exportieren als eine neue Version würde die Frage 1 am besten lösen.

Zu 2: Dazu habe ich in meiner Antwort oben ja bereits etwas geschrieben (neue Identifier für neue Version vergeben). Allerdings möchte ich auch gerne noch grundsätzlich etwas zu Identifiern sagen. Ich denke nämlich, dass es sinnvoll ist, persistente Identifier für Werke zu vergeben, und dann über Suffixe / GET-Parameter die nicht Teil des Identifiers sind aber vom Resolver und der digitalen Bibliothek interpretiert werden können automatisch auf bestimmte Seiten zu verweisen. Wenn wir zum Beispiel über URNs reden, dann bietet die DNB in ihrem Resolver die Unterstützung für Fragments an (Beispiele). Darüber könnte mit überschaubarem Aufwand die Brisanz, die bei der Vergabe von persistenten Identifiern auf Bildebene und dann späteren Nacharbeiten am Bildstapel auftritt, entschärft werden.

Was ist Eure Meinung dazu?

Viele Grüße von

Jan :slight_smile:


#10

Das mit den Fragmenten finde ich überlegenswert.
Wir haben viele Makulatureinbände, die in alten Drucken sind.
Nun hat der Druck eine eigene bibliografische Aufnahme, ebenso der Makulatureinband. (Bei uns in Österreich AC-Nummer)
Auf der Ebene der Signaturvergabe haben wir das Problem mit Adligatensignaturen gelöst, um klar zu machen, dass ein derartiges Fragment Teil des Druckes ist.
Was uns aber Kopfzerbrechen macht ist die Tatsache, dass wir in Zukunft vielleicht folgende problematische Konstellation haben.
Makulatureinband ( nur dieser) wird gescannt und mit seiner eigenen bibliografischen Aufnahme in den Viewer exportiert und diese 3 Bilder haben auch eigene URNs. Nun kann es sein, dass der Druck in dem die Makulaturen sind irgendwann auch digitalisiert wird. Wenn man nun den Einband ( also die Makulatur) mitscannt hat man das Problem, dass für ein und dasselbe Digitalisat verschiedene URNs vergeben würden, was meiner Ansicht nach gar nicht geht.
Wie lässt sich das lösen?


#11

Liebe Goobi-Community,

die Antworten von @jan, @g_snowboard und @Schlueter_HAAB sind in eine unerwartete Richtung gelaufen, aber dennoch interessant.
ich wollte eigentlich bei allen Akteuren mal abklopfen, ob es bibliothekarische Bedenken gibt ein “zusammengestückeltes” digitales Objekt den Benutzern zur Verfügung zu stellen, welches es als Vorlage so gar nicht gibt.
Die Frage stellt sich natürlich nicht, wenn man eine Versionierung hat und die Werke dann in ihrer vollständigeren Form anbietet.

Danke schön für die Beiträge!

Viele Grüße,
Ariane Herms


#12

Ich halte es für unbedenklich, wenn es klar dokumentiert ist. Gerade IIIF bietet hier ja etliche Möglichkeiten.